Am Waldsee

Teil 18

Mit einer energischen Bewegung hielt Joran Sturmwinds Körper fest, damit er ihn nicht noch mehr mit seinen Bewegungen erregte.
Als Sturmwind ihn dann nach der Anzahl seiner Partner fragte, war er doch ein wenig erstaunt, denn diese Frage berührte einen wunden Punkt in ihm. Nach einem Moment der Überlegung sagte er dann: "Genug, um einiges an Erfahrung zu haben. Einen, der mir gezeigt hat, dass es nicht verkehrt ist, sich zu seinem eigenen Geschlecht hingezogen zu fühlen und auch dazu zu stehen. Und nur einen, den ich jemals geliebt habe." Joran schluckte hart, als die Erinnerungen an Ringg wieder hochkamen. Doch er schob die Bilder und Empfindungen rigoros bei Seite. "Aber das ist schon lange her", endete er. Gedankenverloren streichelte er Sturmwinds Rücken. Nach einer Weile sprach er weiter. "Die vor dir waren sind unwichtig, was jetzt für mich zählt bist alleine du." Dabei versuchte er in der Dunkelheit einen Blick in Sturmwinds Augen zu erhaschen.

Nur ich zähle für ihn? Zufrieden kuschelte sich Sturmwind noch näher an Joran. Er hat nur einen geliebt und das ist lange her. Hatte er wirklich einen traurigen Unterton gehört. Er wollte nicht nachfragen und in alten Wunden stochern. Vielleicht würde Joran ihm ja mal mehr erzählen. Stattdessen fragte er: "Dann war dein erster so was, wie du für mich?"

Joran dachte eine Weile über die Frage nach. "Nein, eigentlich nicht. Das erste Mal ....." Er überlegte, wann das war. "Das ist nun schon 9 Sommer her, ich war ungefähr so alt wie du. Wie alt bist du eigentlich, Rabenhaar?"

"Siebzehn mal zwölf Neumonde", murmelte Sturmwind gegen Jorans Haut und wartete auf die Fortsetzung zu Jornas ersten Mal.

"Dann war ich sogar noch einen Sommer jünger als du." Seine Finger kraulten gedankenvergessen durch Sturmwinds Haar. "Es war im Stamm meiner Geburt. Ich hatte mich eigentlich nie sonderlich für die Mädchen interessiert. Sie waren mir immer zu... wie soll ich sagen.... aufdringlich. Ihr süßer Geruch, ihr manchmal schrilles Lachen und der ganze Kram, das war nicht meine Sache. Aber da war ein junger Elf, so alt wie ich, der mich sehr interessierte. Ich schien ihm auch nicht gerade gleichgültig gewesen zu sein. Also, kurz und gut, wir verabredeten uns zur Jagd, was am unauffälligsten war. In einem kleinen Wäldchen ist es dann passiert. Es war alles andere als berauschend oder gar erregend, von daher war mein Erster nicht so was wie ich für dich." Er zog Sturmwinds Kinn zu sich heran und küsste ihn liebevolle. "Ich hoffe, dein erstes Mal wird nicht so."

Sturmwind schob sich etwas höher, strich mit dem Zeigefinger über Jorans Wange und überlegte. Mein erstes Mal? Was weiß ich denn davon? Nichts... Will ich das überhaupt?
"Hat es wehgetan?", fragte er plötzlich. Er verspürte ein Ziehen in der Magengegend und hätte sich für seine unbedachte Frage ohrfeigen können. Jetzt konnte er sie nicht mehr zurücknehmen.

"Mach dir darüber mal keine Gedanken, Sturmwind, ich habe es überlebt", grinste Joran. "Und mit wem DU dein erstes Mal erleben wirst, dass entscheidest du ganz allein. Genau wie den Zeitpunkt dafür", flüsterte er ihm ins Ohr, strich mit den Lippen langsam die Ohrmuschen hinauf und knabberte leicht an der empfindlichen Spitze.

Mit dir, huschte es durch Sturmwinds Kopf, doch er sprach es nicht aus. Und so bald wie möglich. Jetzt wo ich weiß, wie schön schon das Vorspiel ist, werde ich bestimmt bald mehr wollen.
Leise seufzte er, als Joran sich seinem Ohr widmete. Sofort stellte sich wieder diese Kribbeln ein, das seinen ganzen Leib durchrieselte. Murmelnd fragte er: "Was hat er gemacht, das es nicht schön war?" seine Neugier war geweckt. Er wollte mehr darüber erfahren und aus den trockenen Erklärungen seiner Eltern, ein anschauliches Bild machen.

"Ist nicht so wichtig, Kleiner", murmelte Joran. Vorsichtig strich er über Sturmwinds Po, krabbelte mit einem Finger vorwitzig an der Seite unter den Lendenschurz, zeichnete die Rundungen dieser köstlichen Kehrseite nach und leckte und knabberte ausgiebig an der Ohrspitze weiter. Joran hatte mittlerweile durch Sturmwinds unmittelbar Berührung und durch die Erinnerungen, die seine Fragen hervorbrachten, Lust bekommen, diesem kleinen, neugierigen Elfen eine weitere Lektion in Sachen körperlicher Liebe zu erteilen.

Die Hände auf Sturmwinds Hintern ließen ihn seine Frage beinah vergessen. "Mein Ohr", hauchte Sturmwind. Jorans Zähne zwickten ihn leicht. Er mochte es nicht, soviel stand für den jungen Elf fest. Er wollte nicht locker lassen. Er musste mehr über die körperliche Liebe zwischen Männern erfahren.
"Joran, bitte erzähl mir mehr! Ich weiß nicht viel darüber. Meine Eltern sagten mir nur das Nötigste." Unsicher, wie er sich nun verhalten sollte, fügte er noch an: "Oder sende es mir, wenn du es nicht beschreiben kannst. Ich will wissen, was genau auf mich zukommt."

Erschrocken ließ Joran Sturmwinds Ohr los. "Habe ich dir weh getan?", fragte er verunsichert.
Doch gleich darauf bombardierte ihn der junge Elf mit Fragen, so dass seine eigene in diesem Moment unwichtig wurde. Erstaunt sah er Sturmwind an. "Moment", murmelte er, schob Sturmwind von seinem Körper und kramte in seinem Bündel, aus dem er dann eine kleine, fettgefüllte Schale hervorzog. Mit einem Feuerstein und einem Schlageisen entzündete er den Docht und stellte das Licht auf einen kleine natürlichen Vorsprung in der Höhlenwand. Auf Sturmwinds fragenden Blick antwortete er: "Damit ich deine wunderbaren Augen sehen kann." Dann legte er sich wieder auf das Fell, zog Sturmwind abermals auf seinen Körper und begann erneut, dessen Kehrseite zu streicheln.
"Du stellst jede Menge Fragen, mein neugieriger Elf. Ich kann dir diese Frage nicht beantworten, denn das musst du alleine für dich rausfinden. Da gibt es keine allgemein gültiges Rezept. Und mit einer Frau ist es garantiert ganz anders als mit einem Mann." Er konnte und er wollte Sturmwind diese Frage nicht beantworten. Er wollte ihm zeigen, was möglich war, aber immer nur so weit, wie Sturmwind es selber wollte, so weit, wie er sich dabei wohlfühlte. Er sollte sein erstes Mal so erleben können, wie er es mit Kalil erlebt hatte.

Sturmwind sah Joran zu, wie dieser die Kerze entzündete und dann wieder zu ihm kam. Erst wollte er sich etwas stur stellen und sich nicht von Joran in den Arm nehmen lassen, doch dann ergab er sich. Es war einfach zu schön sich an den blonden Elf zu schmiegen und dessen Hände zu fühlen.
Er vernahm die Worte und schon überschlugen sich seine Gedanken. Gut, wenn er mir nichts sagen will, dann muss ich es eben selber herausfinden.
Er rollte sich von Joran, legte sich an dessen Seite und strich mit den Fingern über die bloße Brust.

Joran ließ Sturmwind gewähren. Er schloss die Augen bis auf einen Schlitz und sah Sturmwind an. Einen Arm unter dem Kopf, strich er mit der anderen Hand zärtlich über den dunklen Rücken des jungen Elfen. "Du willst alles in einer Nacht erfahren, nicht wahr, Rabenhaar?", fragte er leise schmunzelnd. "Wir haben doch sooo viel Zeit."

Sturmwind nickte gegen Jorans Schulter. "Ist das schlimm?"
Zärtlich strich er mit den Fingern um den Bauchnabel. "Ich bin neugierig und du sagtest doch, dass ich meinem Namen alle Ehre mache."

"Nein, schlimm nicht, aber lass dir Zeit, es macht dann noch mal soviel Spaß", grinste Joran. "Außerdem weißt du, dass ein Sturm auch einiges zerstören kann." Am liebsten hätte Joran in diesem Moment seine Wort wieder zurück holen wollen. Warum musste er das auch erwähnen, wo Sturmwind ja ganz offensichtlich bei einem Sturm mit einer anschließenden Flutkatastrophe seine Eltern verloren hatte. Wie um seine Worte ungeschehen zu machen, drehte er sich zu Sturmwind um und küsste ihn.

Joran hatte Recht. Er war wirklich etwas übereifrig. Geduld in dieser Sache zu haben musste Sturmwind wohl erst noch lernen. Er nickte geschlagen und kuschelte sich ganz eng an den Elf an seiner Seite.
Am liebsten hätte er sich in Joran verkrochen, damit er ihn so richtig spüren konnte, aber das war ihm nicht möglich, so suchte er nur die Nähe, die ihm den Atem raubte.
An das Küssen hatte er sich schon längst gewöhnt. Er erwiderte den Kuss ganz ruhig. Er wollte ihn auskosten und Joran schmecken, dabei ließ er seine Hand über die weiche Haut des Bauches wandern. Nie wieder loslassen...
**Halt mich fest!**, bat er. **Und lass mich nie wieder los!**

**Ganz bestimmt nicht, Stürmchen**, antwortete Joran ernst und überließ Sturmwind die Führung in diesem Kuss.

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